Dem Geist des bedeutendsten Hamburger Gartenbaudirektors und Visionärs Otto Linne folgend, sind weltweit Studierende und junge Absolventen der Fachrichtung Landschaftsarchitektur eingeladen, sich mit aktuellen Herausforderungen ihrer Profession beispielhaft an einem Hamburger Ort auseinanderzusetzen. Aufgabe war es, sich mit diesem besonderen Raum auseinanderzusetzen, der von Verkehrswegen zerschnittenen und von Industrie-, Gewerbe sowie Brachflächen geprägt wird. Außerdem umfasst er Teile von Bille und Elbe und ihrer Ufer und ist Eingangstor nach Hamburg von Südosten. 42 Arbeiten aus dem In- und Ausland wurden eingereicht.
In Anbetracht der offenen Aufgabenstellung war es konsequent, dass von der siebenköpfigen Jury unter Vorsitz der Dortmunder Professorin Christa Reicher der Otto Linne Preis 2011 an zwei Teams vergeben wurde:
Mit der Arbeit 'Die Wandelfähigkeit der Landschaft' von Milena Georgieva, Hristo Penev und Maria Hristova aus Wien werden die großen Ausfallstraßen durch eine Landschaftsbrücke überdeckt.
 Damit gewinnt die Landschaft ihre Dominanz und Bedeutung auf einer neuen, künstlichen Ebene zurück. Diese mutige Idee schafft einen neuen Blick auf die Stadt, setzt eine Landmarke, die es mit der Elbphilharmonie aufnehmen kann und eröffnet Raum für Diskussionen über die künftige Bedeutung von Freiräumen in der Stadt.
Ganz anders geht die Arbeit 'Erste Hilfe' von Silvia Kracht und Jan Houdek aus Fulda/Kassel vor. Sie konzentriert sich auf die Zwischennutzung der Freiräume auf dem Rothenburgsorter Bahnhofgelände. Dem Motto der Arbeit 'Mehr als gebaute Strukturen braucht das Gebiet Aktionen' folgend, werden den Bürgern Angebote und Nutzungsmöglichkeiten in Form eines 'Erste Hilfe Koffers' aufgezeigt: Interessierte Bürger werden animiert, brachliegende Flächenressourcen aktiv und ohne gestalterische Vorgaben selbstverständlich in Besitz zu nehmen. Zwischennutzung wird zum strategischen, planerischen Programm und zum prägenden Moment für einen Ort.
Die Arbeit von Sandra Patzelt aus Dresden wurde mit einem 3. Preis ausgezeichnet. Sie setzt der Unordnung des Ortes eine markante Skulptur entlang der Bille entgegen und schafft eine neue Adresse.
  Mit dieser künstlerischen Setzung, die gleichzeitig ein Wege- und Parksystem auf einer erhöhten Ebene ist, entstehen am Eingangstor Südost und an dem Fluss Bille neue Räume mit Aufenthaltsqualität. Die Arbeit setzt auf die identitätsstiftende und impulsgebende Kraft einer großen Figur.
Das 'Drehbuch' von Tatjana Busch, Berlin, errang den 4. Preis. Die Arbeit ist ein Drehbuch und skizziert eine von Bürgern initiierte Entwicklung an der Billemündung. Erschließungen und verbindende Grünstrukturen werden markiert und dazwischenliegende Freiräume werden von lokalen Initiativen und Akteuren gestaltet. Diese Arbeit setzt auf die Synthese eines vor-gegebenen raumstabilisierenden Grundgerüstes und der impulsgebenden Aneignung von Raum durch die Bürger.
Mit dem 'Wasserpark' nutzen Sarah Härtl, Marlis Staubitzer und Maxime Winter aus Weihenstephan (5. Preis) die vorhandenen Kanäle und die Bille, welche heute im Tumult der überlagernden Strukturen kaum erlebbar sind. Das Wasser wird verbindendes Element zwischen Freiräumen und Orten und durch die Bereitstellung von Anlegern, Booten und Bootslinien zur Erschließung genutzt. Die Arbeit geht auf ‚Spurensuche'. Vorhandene Freiräume am Wasser werden ‚ausfindig' und deren Qualitäten ‚deutlich gemacht' und weiterentwickelt.
 
Heiner Baumgarten, Geschäftsführer der igs 2013: Die großen Unterschiede zwischen den Entwürfen zeigen die großen Potenziale für eine Diskussion um die Stadtentwicklung im Raum Billemündung. Insbesondere das Konzept 'Erste Hilfe-Koffer' ist geeignet, die Diskussion und den Prozess zu starten, während die Arbeit 'Die Wandelfähigkeit der Landschaft' Mut macht, auch Visionen für ungewöhnliche Lösungen zu wagen. Insgesamt eine prickelnde Herausforderung für Stadtplanung und Politik.
Holger Lange, Umweltstaatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt: Es ist beachtlich, was man aus einem so komplexen, aber vergessenen Ort machen könnte. Ich bin fest überzeugt, allein durch diesen Wettbewerb werden die Räume an der Bille-Mündung mit anderen Augen gesehen. Ich wünsche Hamburg, dass der frische Wind dieser Arbeiten alle mitreißt, den Stadteingang von Hamburg gemeinsam mutig neu zu gestalten.
Am 2. Dezember 2011, dem Geburtstag Otto Linnes, werden die Preise von Staatsrat Holger Lange, BSU feierlichem Rahmen den Preisträgern übergeben. Der Preis ist mit 12.000 € Euro dotiert.
Die Wettbewerbsbeiträge des Otto Linne Preis 2011 sind vom 06. - 22. Dezember 2011 und vom 3. - 15. Januar 2012 im ‚Stadtmodell' in der Wexstraße 7 in Hamburg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 13.00 bis 17.00 Uhr. Feiertags geschlossen.
Mehr dazu im Internet unter: www.otto-linne-preis.de
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